Videoarbeiten von Edith Flückiger, Simone Rüssli und Hildegard Spielhofer im Museum im Bellpark

Edith Flückiger · Ohne Titel, 1998
Foto: Mario Kunz; Courtesy Museum im Bellpark, Kriens

Edith Flückiger · Ohne Titel, 1998
Foto: Mario Kunz; Courtesy Museum im Bellpark, Kriens

Besprechung

Die Videoinstallationen der drei in den sechziger Jahren geborenen Künstlerinnen haben bei aller Verschiedenheit gemeinsam, dass sie vom Spiel mit mehreren Sichtweisen bestimmt sind. Es geht in einprägsamen Bildern um kunstimmanente Probleme, um das Medium Video selber, um Ambivalenzen und Ungewissheiten.

Videoarbeiten von Edith Flückiger, Simone Rüssli und Hildegard Spielhofer im Museum im Bellpark

Edith Flückiger setzt drei Arten von Videoprojektion ein. In ihrer Installation steht ein Projektionsapparat auf dem Boden. Davor liegt ein Transparentpapier, das am Ende ein Stück hochgezogen ist. Auf diesem vertikalen Teil sind von oben nach unten schwimmende Leute zu sehen, die dann auf dem Boden mit rasender Geschwindigkeit und in die Länge verzerrt auf den Apparat zutreiben und wie von ihm aufgesogen werden. Bildaufnahme und Bildausstrahlung sind zu einem gleichzeitigen Phänomen verschmolzen. Eine weitere, diesmal wandfüllende und von einem Dröhnen begleitete Projektion wird mit einem Gemenge verschiedenfarbiger Fische zu einem kontrastreichen Zusammenspiel von Bewegung, Farbe und Ton. Die dritte Arbeit läuft über einen Monitor. Mit Reiten, Schaukeln und Tauchen werden physikalische Schwerkraft und deren Überwindung zu Analogien psychischer Vorgänge.Hildegard Spielhofers Monitor-Installationen richten sich an Gemüt und Verstand. Sie vermitteln eine Weltschau, in der Geist und Körper, Denken und Fühlen nicht dualisiert werden, sondern einander bedingen. An einer Wand sind in Monitorbildern und Graphitnotaten Tätigkeiten und persönliche Erfahrungen, Begriffe und Zitate zu einer einzigen Konstruktion verbunden. Eine Installation mit sechs Monitoren baut mit Hilfe von wechselnden, eindringlichen Geräuschrhythmen auf Kontraste und Ambivalenzen. Unscharf und verlangsamt wiedergegebene Boxkämpfe machen aus den Bewegungen der Boxer beinahe liebkosende Gesten, während im Wasser schaukelnde Seerosen gespenstisch abgründig wirken. In der dritten Installation mit vorüberziehenden Berglandschaften findet ebenfalls eine Verschiebung statt. Der Berg wird zum schwebenden, fragilen Element.Simone Rüssli untersucht das Medium Video im Hinblick auf Malerei und Plastik. Sie überblendet auf den Kopf gestellte Landschaften mit normal wiedergegebenen. In langsamer Abfolge wechseln Licht und Schatten, wodurch verschiedene Raumtiefen suggeriert werden. Erde, Horizont und Himmel überlagern und vermischen sich und werden zu farbintensiver, bewegter Malerei. Aufnahmen von Pausenspielen Halbwüchsiger in Kombination mit Bildern einer roten, von leisen Schatten durchwanderten Malerei verweisen auf Räumlichkeit und auf das Erotische in den Bewegungen der Jugendlichen und beim Vorgang des Malens.Die Künstlerinnen versuchen, ihre keineswegs festen Standorte innerhalb der Welt zu definieren. Sie übertragen ihre Einsichten auf das Medium Video und lassen sich gleichzeitig von dessen Möglichkeiten überraschen.


Jusqu'à 
06.02.1999

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